Kardinal-König Stiftung: Vaclav Maly steht für "Glaube und Freiheit"
Der Prager Weihbischof Vaclav Maly - eine Zentralgestalt der demokratischen Bewegung in der Tschechoslowakei der 1980er-Jahre - wird am Montag 70. Für die Kardinal-König-Stiftung ist dies Anlass, dem mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichneten Kirchenmann zu gratulieren und zu würdigen. "Vielleicht ist zu schnell vergessen worden, welchen entscheidenden Anteil überzeugte Christen an der Überwindung des kommunistischen Systems von Leipzig bis Wladiwostok hatten", betonte Erich Leitenberger, Vizepräsident der Kardinal-König-Stiftung, am Samstag gegenüber Kathpress. Umso mehr sei es notwendig, an herausragende Persönlichkeiten wie Vaclav Maly zu erinnern.
1999 wurde Bischof Maly - gemeinsam mit dem (inzwischen verstorbenen) slowakischen Salesianerpater Anton Srholec - mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet. Maly und Srholec erhielten den Preis im Hinblick auf ihre "Verdienste um Glaube und Freiheit". Die Preisübergabe erfolgte durch Kardinal Franz König am 28. Oktober 1999 im Wiener "Haus der Industrie" am Schwarzenbergplatz.
Vor allem für die Menschen in den Heimatländern der beiden Preisträger war es ein "Fest der Glaubenstreue und der Anerkennung des Eintretens der Christen für die unzerstörbare Würde des Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist", so Leitenberger. Kardinal König, der die Vorgänge in den kommunistisch beherrschten Ländern immer aufmerksam beobachtet habe und immer zur "praktischen Hilfe" für die verfolgten Christen bereit war, habe den Prager Weihbischof und dessen Engagement überaus geschätzt.
Charta 77-Sprecher
Vaclav Maly wurde am 21. September 1950 in Prag geboren. Schon seine Familie wurde wegen ihrer Glaubensüberzeugung schikaniert. Er studierte an der auch in kommunistischer Zeit bestehenden Theologischen Fakultät in Leitmeritz (Litomerice). 1976 wurde er zum Priester geweiht.
Im Februar 1977 unterzeichnete er die Charta 77, ein Dokument, das Gerechtigkeit und Freiheit in der Tschechoslowakei einforderte. Im Jahr 1978 wurde er Mitglied des "Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten". 1979 wurde ihm die "staatliche Genehmigung zum priesterlichen Dienst" aberkannt, und er musste als Helfer im Vermessungswesen arbeiten. Im Mai jenes Jahres wurde er wegen "Subversion" verhaftet und vor Gericht gestellt. Von 1980 bis 1986 arbeitete er als Heizer in mehreren Hotels in Prag. In dieser Zeit konnte er nur im Geheimen als Priester wirken. Er feierte die Heilige Messe in Wohnungen, im Sommer auch im Wald, spendete die Sakramente und hielt Bibelstunden und Vorträge.1981/82 war er Sprecher der Charta 77, im Jahr 1989 dann Sprecher des Bürgerforums Prag (OF).
Nach der "Wende" war Maly 1990/91 Pfarrer in St. Gabriel in Prag-Smichov, 1991/96 Pfarrer in St. Antonius in Prag-Holeovice. Am 3. Dezember 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Marcelliana und Weihbischof in Prag ernannt. Als Bischofsmotto wählte Maly "Demut und Wahrheit". Die Bischofsweihe empfing er durch den damaligen Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk.
Vaterunser bei Großdemo
Der enge "Weggefährte" des späteren Staatspräsidenten Vaclav Havel war in den ersten Wochen der "samtenen Revolution" Sprecher des Bürgerforums (OF). Er hatte sich im Herbst 1989 bei der ersten großen antikommunistischen Kundgebung als katholischer Geistlicher bekannt, was bis dahin weithin nicht bekannt war, und mit den Anwesenden das Vaterunser gebetet. An der Vorbereitung und Durchführung des ersten Papstbesuches in Prag im Frühjahr 1990 in Prag hatte Maly führenden Anteil. Großes Aufsehen erregte sein Grußwort an Johannes Paul II. in einer Sondernummer der tschechischen Kirchenzeitung "Katolicky noviny", in dem er die wichtige Rolle des Papstes für die in den Untergrund gedrängte Kirche in den "sozialistischen Ländern" schilderte.
In der Zeit nach der "Wende" warnte Maly bald vor allzu großer Euphorie und kritisierte jene Politiker, die dem Volk die Härten und Anforderungen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbaus verschwiegen. Er übte Kritik an einer bloß kapitalistischen Ausrichtung des Reformprozesses. Von der katholischen Kirche forderte Maly sehr bald nach der "Wende", sie müsse den Tschechen gegenüber behutsam und offen auftreten auch im Hinblick auf die mehrhundertjährige Vergangenheit der Kirche als Verbündete der Staatsmacht.
Quelle: Kathpress